Das Wichtigste in Kürze
- Free-Roam-VR ist Virtual Reality, in der ihr euch zu Fuß frei über eine große Fläche bewegt, meist als Gruppe in derselben virtuellen Welt.
- Sie gehört zur Location-Based VR: Es gibt sie an festen Standorten, weil Fläche und Technik für zu Hause zu groß sind.
- Echtes Gehen fühlt sich in Studien natürlicher an als Steuern per Knopf und geht mit einem stärkeren Gefühl einher, wirklich dort zu sein.
- In Studien mit echtem Gehen lagen die Werte für VR-Übelkeit im Schnitt niedriger als bei Fortbewegung per Controller, eine Garantie ist das aber nicht.
- Achtet bei der Auswahl auf Körpertracking, Haptik, gemeinsames Spielen, die reine Spielzeit, private oder offene Runden und die Altersangaben.
Free-Roam-VR ist Virtual Reality, in der ihr euch zu Fuß frei über eine große Spielfläche bewegt, statt auf der Stelle zu stehen oder per Controller zu laufen. Weil Fläche und Technik dafür zu groß fürs Wohnzimmer sind, gibt es sie an festen Standorten; die Branche spricht deshalb auch von Location-Based VR. Meist spielt ihr als Gruppe gleichzeitig in derselben virtuellen Welt.
Dass echtes Gehen einen großen Unterschied macht, haben Forscher schon 1999 gemessen. In einem Experiment mit einer virtuellen Grube fühlten sich Versuchspersonen, die liefen, stärker „dort“ als jene, die per Knopfdruck über den Boden glitten. Damals hing noch alles am Kabel: Ein Versuchsleiter lief hinter den Teilnehmenden her, hielt die Leitungen und verhinderte Zusammenstöße. Rund 30 Prozent nannten die Kabel als Störfaktor, der sie an die echte Umgebung erinnerte.
Was ist Free-Roam-VR genau?
Free-Roam-VR ist eine Form der Location-Based VR, also von VR an einem festen Ort, bei der ihr euch ohne Begrenzung auf einen kleinen Spielbereich bewegt. Location-Based VR ist der Oberbegriff, der von Simulatoren über einzelne VR-Stationen bis zu großen Arenen reicht. Free-Roam ist die Variante, in der eure Beine die Steuerung übernehmen.
Typische Merkmale sind:
- Echte Schritte: Ihr geht, dreht euch, duckt euch. Die virtuelle Welt ist so gestaltet, dass sie zur realen Fläche passt.
- Keine Fortbewegung per Stick: Wo ihr hinwollt, lauft ihr hin. Teleportieren oder Gleiten entfällt in der Regel.
- Mehrere Spieler gleichzeitig: Ihr seht eure Mitspieler als Avatare und bewegt euch zusammen durch dieselbe Szene.
- Tracking über den Kopf hinaus: Je nach Anbieter werden Hände oder der ganze Körper erfasst.
- Zusätzliche Reize: Manche Anbieter ergänzen Haptik, etwa über Westen.
- Betreuung vor Ort: Ausrüstung, Einweisung und Ablauf übernimmt das Team am Standort.
Warum fühlt sich freies Gehen so anders an?
Freies Gehen fühlt sich anders an, weil Körper und Bild übereinstimmen. Wenn ihr einen Schritt macht und die Welt genau diesen Schritt mitgeht, melden Augen, Gleichgewichtssinn und Muskeln dasselbe. Das Gehirn hat dann wenig Grund, an der Szene zu zweifeln.
Die Studie von 1999 um Martin Usoh verglich drei Arten, sich durch eine virtuelle Umgebung zu bewegen: echtes Gehen, Gehen auf der Stelle und „Fliegen“ per Knopfdruck. Echtes Gehen wurde als deutlich einfacher und natürlicher bewertet als die beiden anderen Methoden. Beim Gefühl, dort zu sein, lagen beide Gehgruppen klar vor den Fliegern. Ob echtes Gehen auch das Gehen auf der Stelle übertraf, ließ sich nur in einem Teil der Auswertungen statistisch sichern.
Noch deutlicher war ein anderer Befund. Das stärkste Ergebnis der Studie war, dass das Gefühl der Präsenz mit der Identifikation mit dem eigenen virtuellen Körper zusammenhing. Die Autoren folgerten, dass sich viel gewinnen lässt, wenn alle Gliedmaßen erfasst werden. Genau das machen Free-Roam-Systeme mit Ganzkörpertracking. Mehr zu diesem Effekt lest ihr in unserem Artikel über Immersion und Presence.
Auch Fühlbares zählt. Eine Folgestudie aus North Carolina legte in einer abgewandelten Fassung der Grubenszene ein knapp vier Zentimeter hohes Holzbrett genau dort auf den Boden, wo virtuell die Kante war. Mit dem Brett stieg der Puls der Versuchspersonen messbar stärker an als ohne. Auch diese Forscher nannten übrigens die Kabel als größte Störquelle.
Der dritte Baustein sind die anderen. Mel Slater und Kollegen beschreiben 2022 das Gefühl, gemeinsam mit anderen an einem Ort zu sein, als Kopräsenz. Damit eine Szene plausibel wirkt, muss sie auf euch reagieren, euch direkt ansprechen und zu euren Erwartungen passen. Mitspieler, die neben euch stehen, euch etwas zurufen und auf das reagieren, was ihr tut, erfüllen genau diese Bedingungen. Gleichzeitig nennen die Forscher typische Momente, in denen die Illusion bricht: ein Ruckeln im Bild, eine enttäuschte Erwartung oder der Zusammenstoß mit einer echten Wand. Deshalb ist bei Free-Roam-VR so wichtig, dass reale Fläche und virtuelle Welt genau aufeinander abgestimmt sind.
Free-Roam, VR zu Hause oder VR-Arcade: Was ist der Unterschied?
Der wichtigste Unterschied liegt darin, wie ihr euch bewegt und mit wem ihr spielt. Die Tabelle zeigt typische Eigenschaften; einzelne Angebote können abweichen.
| VR zu Hause | VR-Arcade-Station | Free-Roam-VR | |
|---|---|---|---|
| Wo? | Wohnzimmer | Spielhalle, Freizeitzentrum | Eigener Standort mit großer Fläche |
| Bewegung | Kleiner Bereich, größere Strecken per Stick oder Teleport | Fester Platz in einer Station, teils Simulatoren | Echtes Gehen über die ganze Fläche |
| Mitspieler | Online, räumlich getrennt | Oft nebeneinander an getrennten Stationen | Zusammen im selben Raum und derselben Welt |
| Körper im Spiel | Meist Kopf und Hände | Meist Kopf und Hände | Je nach Anbieter bis zum ganzen Körper |
| Zusätzliche Reize | Vibration im Controller | Je nach Station, etwa bewegte Sitze | Je nach Anbieter, etwa haptische Westen |
| Dauer | So lange ihr wollt | Oft kurze Runden | Feste Runde mit Einweisung |
| Aufwand | Gerät kaufen, einrichten, Platz schaffen | Spontan hingehen | Termin buchen und hinfahren |
Was davon besser passt, hängt vom Ziel ab. Wer regelmäßig, allein oder online spielen will, ist mit einer eigenen Brille gut bedient. Eine Arcade-Station eignet sich für einen kurzen, spontanen Eindruck. Free-Roam-VR spielt ihre Stärken aus, wenn ihr als Gruppe etwas gemeinsam erleben wollt und der ganze Körper mitspielen soll.
Wie läuft ein Besuch bei Free-Roam-VR ab?
Der Ablauf unterscheidet sich je nach Anbieter. Am Beispiel unserer Sandbox-VR-Stores sieht er so aus:
- Buchen: Online wählt ihr Erlebnis, Datum und eine feste Startzeit, auch am selben Tag, wenn noch etwas frei ist. Ihr entscheidet euch für eine Public Session, bei der andere Gäste dazukommen können, oder für eine Private Session nur für eure Gruppe.
- Ankommen und Einweisung: Vor Ort bekommt ihr eine Einweisung und eure Ausrüstung: Headset, Motion-Capture-Tracker an Händen und Füßen und eine haptische Weste.
- Im Erlebnis: 30 bis 45 Minuten seid ihr in der virtuellen Welt. Zwei bis sechs Personen spielen gleichzeitig, ihr lauft frei durch den Raum, euer Avatar bewegt sich eins zu eins mit, und eure Mitspieler seht ihr als Avatare.
- Danach: Eure Gruppe bekommt ein Highlight-Video der Runde.
Insgesamt solltet ihr 60 bis 90 Minuten einplanen. Weil die Startzeit fest ist, lohnt es sich, ein paar Minuten früher da zu sein. Die meisten Welten sind ab 8 Jahren, einzelne ab 12 oder 16; die Angabe steht bei jedem Erlebnis. Sandbox-VR-Stores findet ihr in Alsfeld, Mannheim, München, Münster, Nürnberg, Oberhausen, Wiesbaden und Willingen, in Österreich in Wien (eigene Seite: nxtl.at). Alle Adressen findet ihr unter unsere Standorte, die Welten in der Übersicht der Erlebnisse.
Für wen passt Free-Roam-VR?
Free-Roam-VR passt vor allem zu Menschen, die etwas zusammen erleben wollen und keine Lust auf Tastenlernen haben.
Gut geeignet
- Freundesgruppen: Ihr spielt miteinander statt nebeneinander und habt hinterher dieselbe Geschichte zu erzählen.
- Familien: Viele Welten sind ab 8 Jahren freigegeben, sodass Eltern und Kinder in derselben Runde spielen können.
- Teams: Weil alle gleichzeitig spielen und sich absprechen müssen, eignet sich das Format für Teambuilding mit Kolleginnen und Kollegen.
- Anlässe: Geburtstag, JGA oder Weihnachtsfeier, wenn ihr etwas anderes sucht als das Übliche.
- VR-Neulinge: Gehen muss niemand lernen, Tasten für die Fortbewegung entfallen.
Eher weniger geeignet
- Dauerspieler: Wer jede Woche stundenlang spielen möchte, fährt mit einem eigenen Gerät besser.
- Einzelspieler, die Ruhe suchen: Free-Roam ist auf Gruppen ausgelegt. Wer lieber allein in seinem Tempo spielt, ist zu Hause besser aufgehoben.
- Sehr Schreckhafte: Das ist kein Ausschlusskriterium, aber ein Grund, das Genre bewusst zu wählen. Zombies im Western-Setting wie bei Deadwood fühlen sich anders an als Dinosaurier in Age of Dinosaurs.
- Bei gesundheitlichen Fragen: Bei Epilepsie, Herzproblemen, in der Schwangerschaft oder bei anderen Vorerkrankungen klärt das vorher mit eurer Ärztin oder eurem Arzt und beachtet die Hinweise vor Ort.
Wenn ihr Free-Roam-VR mit anderen Gruppenerlebnissen vergleichen wollt, hilft unser Überblick VR als Alternative zu Lasertag und Escape Room.
Wird einem bei Free-Roam-VR schlecht?
VR-Übelkeit entsteht vor allem, wenn Augen und Gleichgewichtssinn Unterschiedliches melden, etwa wenn ihr im Bild lauft, im echten Leben aber stillsteht. Beim freien Gehen fällt dieser Widerspruch weitgehend weg.
Eine Übersichtsarbeit von Dimitrios Saredakis und Kollegen aus dem Jahr 2020 fasst viele Einzelstudien zusammen. Darin lagen die Werte für VR-Übelkeit in Studien mit echtem Gehen am niedrigsten, Fortbewegung per Controller schnitt am schlechtesten ab. Die Autoren erklären das mit dem geringeren Konflikt zwischen Sehen und Gleichgewicht.
Das heißt nicht, dass niemandem flau werden kann. Wie empfindlich jemand reagiert, ist sehr unterschiedlich, und auch der Inhalt eines Erlebnisses spielt eine Rolle. Was vorher, währenddessen und danach hilft, haben wir im Artikel zu VR-Übelkeit und Motion Sickness zusammengetragen.
Worauf solltet ihr bei der Auswahl achten?
Free-Roam ist nicht gleich Free-Roam. Diese Fragen helfen, Angebote zu vergleichen:
- Wie viel vom Körper wird erfasst? Nur Kopf und Hände oder auch die Füße? Ganzkörpertracking sorgt dafür, dass ihr beim Blick nach unten eure Beine seht.
- Spielen alle gleichzeitig? Oder wechselt ihr euch ab, während der Rest zuschaut?
- Wie lange seid ihr wirklich drin? Unterscheidet die Zeit im Erlebnis von der Gesamtdauer mit Einweisung.
- Gibt es Haptik? Fühlbare Rückmeldung verstärkt das Gefühl, dort zu sein.
- Offene oder private Runde? Wollt ihr unter euch bleiben oder ist es okay, wenn andere dazukommen?
- Passt das Alter? Prüft die Altersangabe jedes einzelnen Erlebnisses, nicht nur die des Anbieters.
- Welches Genre? Horror, Abenteuer oder Action: Wählt nach der Gruppe, nicht nach der mutigsten Person.
- Gibt es eine Erinnerung? Ein Video oder Fotos machen den Abend auch hinterher noch zum Thema.
- Wie flexibel ist die Buchung? Feste Startzeiten und spontane Termine erleichtern die Planung.
Habt ihr besondere Anforderungen, etwa wegen Barrierefreiheit oder Gesundheit, fragt vor der Buchung direkt beim Anbieter nach.
Kurz gesagt: Lohnt sich Free-Roam-VR?
Free-Roam-VR lohnt sich, wenn ihr VR nicht nur sehen, sondern mit dem ganzen Körper und zusammen mit anderen erleben wollt. Echte Schritte, ein mitbewegter Körper und Mitspieler im selben Raum sind genau die Zutaten, die in der Forschung das Gefühl stärken, wirklich dort zu sein. Für regelmäßiges Spielen allein bleibt die eigene Brille die praktischere Wahl. Für einen gemeinsamen Abend, ein Teamevent oder einen Geburtstag ist Free-Roam die Form von VR, die zu Hause schlicht nicht geht.
Häufige Fragen
Braucht man für Free-Roam-VR Erfahrung mit Videospielen?
Nein. Weil ihr euch durch normales Gehen fortbewegt, entfällt das Lernen von Tasten für die Bewegung. Eine kurze Einweisung vor dem Start reicht in der Regel, um loszulegen.
Kann man Free-Roam-VR auch zu Hause spielen?
Nur sehr eingeschränkt. Heimgeräte erlauben Bewegung im freigeräumten Teil eines Zimmers, für größere Strecken wird per Stick oder Teleport gesteuert. Eine große Fläche, auf der mehrere Leute gleichzeitig herumlaufen, gibt es praktisch nur an festen Standorten.
Spielen alle aus der Gruppe gleichzeitig?
Bei Free-Roam-Angeboten ist das üblich, aber nicht überall gleich geregelt. In unseren Sandbox-VR-Stores spielen alle zwei bis sechs Personen einer Runde gleichzeitig in derselben Welt. Fragt bei anderen Anbietern vorher nach, ob ihr zusammen oder nacheinander spielt.
Was ist der Unterschied zwischen Public und Private Session?
In einer Public Session können andere Gäste zu eurer Runde dazukommen. Eine Private Session ist nur für eure eigene Gruppe reserviert.
Ist Free-Roam-VR für Kinder geeignet?
Das hängt vom Erlebnis ab. Die meisten Sandbox-VR-Welten sind ab 8 Jahren freigegeben, einzelne ab 12 oder 16 Jahren. Die Angabe steht bei jedem Erlebnis, ein Blick vor der Buchung lohnt sich.
Quellen
- Martin Usoh u. a. – Walking > Walking-in-Place > Flying, in Virtual Environments, SIGGRAPH 99 (1999)
- Michael Meehan, Brent Insko, Mary Whitton, Frederick P. Brooks Jr. – Physiological Measures of Presence in Stressful Virtual Environments, ACM Transactions on Graphics (2002)
- Dimitrios Saredakis u. a. – Factors Associated With Virtual Reality Sickness in Head-Mounted Displays: A Systematic Review and Meta-Analysis, Frontiers in Human Neuroscience (2020)
- Mel Slater u. a. – A Separate Reality: An Update on Place Illusion and Plausibility in Virtual Reality, Frontiers in Virtual Reality (2022)
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